Lesotho

Lesotho bezichtigt deutsche Firma der Schmiergeldzahlung

Bettina Stang
Süddeutsche
August 15, 2002

This article appeared in a German publication on the same day, German engineering firm, Lahmeyer International’s court case began in Lesotho. Lahmeyer is the second firm to be tried for bribery in the corruption surrounding the Lesotho Highlands dam project. Canadian company, Acres International, was the first firm to go to trial. It is accused of paying $674,000 over seven years into the Swiss bank account of its Lesotho agent, engineer Zalisiwonga Bam, and his wife, Margaret. The Bams allegedly passed 60 per cent on to Mr. Sole, in return for lucrative contracts and other favourable treatment for Acres. In May 2002, Mr. Sole was found guilty of 11 counts of bribery and two counts of fraud.

Anklage wegen Bestechung
Lesotho bezichtigt deutsche Firma der Schmiergeldzahlung

Ein neues afrikanisches Selbstbewusstsein zeigt der südafrikanische Kleinstaat Lesotho. Seine Regierung ist entschlossen, einige internationale Unternehmen wegen Schmiergeldzahlungen auf die Anklagebank zu bringen. Firmenkonsortien mit Mitgliedern wie Asea Brown Boveri (ABB) oder der britischen Balfour Beatty sowie Ingenieurs- und Beratungsfirmen wie die kanadische Acres und die in Bad Vilbel ansässige Lahmeyer International sollen sich ihre Bau- und Planungsaufträge für das milliardenschwere Großstaudammprojekt Lesotho Highland Waters Project (LHWP) durch Schmiergeldzahlungen erkauft haben.

In der Hauptstadt Maseru wird an diesem Mittwoch das Verfahren gegen die auf den Bau von Großstaudämmen spezialisierte Lahmeyer International eröffnet. Die Anklage wirft der Ingenieurfirma Bestechung in zwölf Fällen vor – in den Jahren 1989 bis 1997 sollen über einen Mittelsmann Schmiergelder in Höhe von damals insgesamt 400 000 DM an den geschäftsführenden Leiter des Großprojekts, Masupha Sole, geflossen sein. Dieser war Anfang Juni nach einem zweijährigen Verfahren wegen Korruption, Gelderveruntreuung und Meineid zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sein Amt als Leiter des Lesotho Highland Water Project hatte Sole schon 1995 verloren, als die Korruptionsvorwürfe gegen ihn ruchbar wurden.

Soles Verurteilung hatte die Regierung des bitterarmen Lesotho ermutigt, nun auch die Verfahren gegen die Geldgeber selbst, gegen die oft verborgen bleibenden Auftraggeber korrupter Wirtschaftsgeschäfte, zu eröffnen. „Es gehören immer zwei dazu“, sagt der Premierminister von Lesotho, Pakalitha Mosisili, und begründet damit, warum seine Regierung bereit ist, hohe Summen für die beabsichtigte Klageserie auszugeben. Ein erstes Verfahren gegen die kanadische Ingenieurfirma Acres wurde schon im Frühjahr eröffnet, das Urteil wird für Mitte September erwartet.

Wie schon im Fall Acres stützt sich auch die Anklage gegen Lahmeyer auf die im Verfahren gegen Projektleiter Sole nachgewiesenen Geldflüsse der Ingenieurfirmen auf die Schweizer Konten des Mittelsmannes Zalisiwonga Bam – eine schillernde Figur, die neben Acres und Lahmeyer auch anderen Firmen gleichzeitig als Agent diente und die einige Jahre auch als kanadischer Honorarkonsul tätig war. Laut der mühsam erarbeiteten Gerichtserkenntnisse hat Bam jeweils 60 Prozent der von den Firmen an ihn überwiesenen Summen wieder an den Geschäftsführer des Großstaudammprojekts weitergeleitet.

Die Unternehmensführung von Lahmeyer will sich während des laufenden Verfahrens zu den Vorwürfen nicht äußern. Doch es ist zu erwarten, dass sich die Lahmeyer-Manager der Argumentation ihrer kanadischen Geschäftskollegen anschließen und vor Gericht behaupten, dass sie von den korrupten Praktiken ihres Mittelsmannes Bam keine Kenntnis hatten. Acres argumentierte, dass die Summen, die auf die Schweizer Konten von Bam gezahlt wurden, den üblichen Rahmen einhielten und ausschließlich für legale Mittlertätigkeiten gedacht gewesen seien. Die Anklage wies diese Argumentation als wenig stichhaltig zurück: Summen von mehr als Zehntausenden von US-Dollar seien allein mit der Honorierung legaler Geschäftstätigkeit eines Agenten nicht zu begründen, erklärte Chefankläger Guido Penzhorn.

Sollte es der Anklage gelingen, Acres und später auch Lahmeyer die Mittäterschaft an den korrupten Praktiken ihres Mittelsmannes Bam nachzuweisen, dürfte das für die Unternehmen Konsequenzen haben, die über die Zahlung von Bußgeldern weit hinaus geht. Ob Lahmeyer dann weiterhin seine Rolle als leitendes Unternehmen für den zweiten Abschnitt des Staudammbaus behalten würde, ist angesichts der starken Worte aus Lesothos Regierungsetagen fraglich. Und die Weltbank sieht laut eigenem Kodex vor, der Bestechung überführte Unternehmen zumindest befristet aus der Kreditgewährung auszunehmen.

Mittelsmann Bam wird sein Verständnis der Aufgaben, die er für Lahmeyer wahrnahm, vor Gericht nicht erklären können: Er starb noch vor der Verfahrenseröffnung gegen Sole an einem Herzanfall. Auch der ehemalige Staatsdiener Sole erfreut sich mittlerweile nicht mehr der besten Gesundheit: Er erlitt kurz vor Urteilsverkündung einen Autounfall und musste auf einer Bahre in den Gerichtssaal von Maseru getragen werden.

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